Konzept

Mit Grips gegen Muckis  -  (Selbst-) Sicherheitstraining für das richtige Leben


Es gibt, für Kinder wie für Erwachsene, zwei grundverschiedene Arten von Auseinandersetzungen.

Die eine Art ist ein sportliches Kräftemessen unter etwa gleich Starken, mit festen Regeln oder zumindest einem unausgesprochenen Ehrenkodex. Beide Seiten nehmen freiwillig daran teil. Beispiele: die Schulhof-Rangelei, Sport, ein argumentativ geführtes Rededuell, Ballspiele, Kampfsportarten wie Judo, Karate usw. Gegen solche fairen "Duelle" ist gewiss nichts einzuwenden.

Die andere Art von Kampf findet zwischen ungleichen Gegnern statt, die Rollenverteilung lautet von vornherein: hier Täter, da Opfer. Es ist die (gesetzlich verbotene) Gewalttat, von der Beleidigung bis zur schweren Körperverletzung.

Gewalttäter sind schwache, unsichere Menschen voller Selbsthass, die sich nur stark fühlen, wenn sie Macht über Andere ausüben. Es ist daher für den Gewalttäter von überragender Bedeutung, die von ihm angezettelten Kämpfe zu gewinnen, denn sonst würde er sich danach noch schwächer und noch unsicherer fühlen. Er bereitet sich also auf seine Tat vor und plant sie so, dass die Kräfte zu seinen Gunsten verteilt sind. Übrigens denken Polizisten genauso: auch sie müssen unbedingt gewinnen; daher sorgen sie für zahlenmäßige Überlegenheit und sind bewaffnet. War seine Vorgehensweise erfolgreich, behält der Täter sie bei und verfeinert sie im Laufe seiner kriminellen Karriere immer mehr. Hier liegt das "Einsatzgebiet" der realistischen Selbstverteidigung: die Fähigkeit, sich gegen unfaire Angriffe eines überlegenen Gegners wehren zu können.

Die Tatsache, dass Gewalttäter unter dem Zwang des unbedingten Gewinnenmüssens stehen, gleichzeitig immer ihr Opfer unter Vielen wählen können, macht sie berechenbar, und diese Berechenbarkeit können wir für unsere Verteidigung ausnutzen:

(1) Da er aus Angst heraus handelt und Kontrolle sein Ziel ist, hat er meistens eine detaillierte Vorstellung vom Ablauf der Tat im Kopf. Als Serientäter entwickelt der Gewaltverbrecher einen modus operandi, eine bestimmte Vorgehensweise, die sich in seiner Erfahrung als erfolgreich bewährt hat.

(2) Er hat immer eine mehr oder minder große AUSWAHL an Opferkandidaten. Er sucht daher Menschen als Ziel aus, die er für geeignehte Opfer hält. Ist er sich über die "Opfer-Begabung" der ausgewählten Person unsicher, testet er sie durch verbale Anmache, Schubsen, Festhalten usw. Kommt er zu dem Ergebnis, dass er Probleme bekommen könnte, sucht er sich fast immer jemand anderen.

(3) Er achtet darauf, mit einem "Vorsprung" in den Kampf zu gehen, z.B. durch körperliche oder zahlenmäßige Überlegenheit, den Überraschungseffekt, den Einsatz von Waffen, das Ausnutzen einer Machtposition (Chef/Angestellte, Eltern/Kind, Vermieter/Mieter usw.) o.ä.


Eine sinnvolle Selbstverteidigungs-Strategie wird daher immer Folgendes beinhalten:

gegen (1): aus der zugedachten Rolle ausbrechen, frei und überraschend handeln, den Täter auf ihm unbekanntes Terrain führen;

gegen (2): Verteidigungsbereitschaft, Kampfgeist, Willensstärke ausstrahlen, kein "gutes Opfer" sein, d.h. wir müssen als Verteidiger nicht den Angreifer besiegen; wir müssen noch nicht einmal den Eindruck erwecken, dass wir ihn besiegen könnten, sondern lediglich, dass der Täter es bei jemand anderem leichter hätte;

gegen (3): intelligente Selbstverteidigungstechniken, z.B. "kleine Kraft gegen große Kraft" usw.

Ein großer Vorteil der Täter ist jedoch, dass sie die Zeit, den Ort und die Methode des Angriffs bestimmen, so dass die Angegriffenen immer überrascht, oft geschockt, sind, und selbst wenn sie es schaffen zu reagieren, können sie doch immer nur reagieren: der Täter hat die Initiative, d.h. er kann das Opfer zu vorhersehbaren Reaktionen zwingen. Die beste Verteidigung dagegen ist Achtsamkeit, zu lernen, Warnzeichen frühzeitig zu erkennen, um Kämpfe vermeiden zu können.

Mit diesen Vorgaben wurde der Kurs entwickelt. Die wichtigsten Lernziele sind:

- das Selbstvertrauen stärken,
- die Wahrnehmung erweitern,
- Gefahren frühzeitig erkennen und vermeiden,
- Körpersprache verstehen und anwenden,
- die Stimme einsetzen,
- körperliche und geistige Beweglichkeit, Ausdauer und Kraft aufbauen,
- Selbstverteidigung gegen körperliche und verbale Angriffe,
- Angst und Schmerz zum eigenen Vorteil wenden,
- sich entspannen können...

Viele übungen stammen von Psychologen, Unternehmensberatern, Leitern von Managerschulungen usw., die oft gleichzeitig Kampfkunstmeister sind, z.B.

Dr. Khaleghl Quinn, Psychologin und Judomeisterin
Thomas F. Crum, Schulungsleiter (u.a. für IBM) und Aikidomeister
Terrence Webster-Doyle, Psychologe und Karatemeister.

Kinder werden durch das Training ruhiger, konzentrierter, entspannter, selbstbewusster, selbstsicherer, aufmerksamer, zielstrebiger. Dadurch verbessern sich oft auch ihre schulischen Leistungen.


"Der höchste Schulungsgrad einer Kampfkunst ist erreicht, wenn wir in der Lage sind, überall eine Atmosphäre der Wärme, Schönheit, des Humors und der Liebe hervorzubringen. Das ist der fortgeschrittenste Gebrauch einer Kampfkunst."

Dr. Khaleghl Quinn, aus ihrem Buch "Hände weg!", erschienen bei Zweitausendeins, Frankfurt/M.


Einige der Themen und übungen des Kurses

Einführung in die Thematik; Grundwissen über Gewalttäter; Ziele des Kurses festlegen

Körpersprache: Einführung des Begriffes; Beispiele: wie sieht ein Gewalttäter aus, wie ein Opfer;

Rollenspiel: ein Kind spielt den Angreifer, ein anderes das Opfer; übung: wie man aus seiner Rolle ausbricht; wie man die Täter-Opfer-Beziehung beendet

über die Macht der inneren Einstellung (die Welt ist so, wie ich sie ansehe); Visualisationen ("der Fisch, den man nicht festhalten kann", "die Katze, die nicht zum Tierarzt will"), "Krafttier"/Bild der Stärke.

die FBI-Regel: "Meine Stärken gegen die Schwächen des Angreifers"

über innere Stärken: Willenskraft, Vorstellungskraft, Kampfkraft, Durchhaltevermögen usw.

die klassischen Elemente Erde, Luft, Wasser und Feuer als Merkhilfen für vier völlig verschiedene verbale und körperliche Vermeidungs- und Verteidigungsstrategien

über den Erfahrungssatz "vor der großen Gewalt kommt die kleine Gewalt", Schlussfolgerung: rechtzeitig (!) die Grenze ziehen, dabei überzeugend sein, keine "gemischten Botschaften" senden (z.B. mit dem Mund "nein" und mit dem Körper "ja" sagen)

über die überragende Bedeutung einer starken Stimme

über die Angst: ihre Bedeutung als "Bodyguard"; die Wirkungen des Adrenalins; die "Fliehen oder Kämpfen"-Reaktion und ihre Verwandlung in eine Waffe (Visualisation: "die wandelnde Feuersäule"); Mut: die Angst spüren und trotzdem handeln (Beispiel: Stuntleute)

Bedeutung der Fähigkeit, um Hilfe bitten zu können (damit wir niemals hilflos wirken, sonst "riecht der Hai Blut")

Bedeutung der körperlichen Fitness für das seelische Wohlbefinden (vgl. "Wellness")

die empfindlichen Körperstellen: bei sich schützen, beim Täter angreifen

Schläge und Tritte abwehren; kleine Kraft gegen große Kraft; Zurückschlagen wenn nötig

Befreiungstechniken: cool bleiben und den Kopf benutzen; Hebelkraft einsetzen; "Es gibt immer eine Gegenwehr!"; als dritte Person helfend eingreifen; mehreren Angreifern entkommen.

über die Bedeutung der eigenen Mitte: der Punkt, wo sich Geist und Körper treffen, um sich zu vereinigen; Anwendungen: Standfestigkeit und Flexibilität (sowohl geistig, als auch körperlich); der Geist des Bushido: sich jede Sekunde mit freiem Willen neu zu entscheiden

ruhig werden, ruhig bleiben, richtig atmen: Entspannungsübungen aus Qi Gong

Konzept


Copyright © Arno Matthias     zuletzt geändert am 7.12.2011