Vier Elemente


Vier Elemente

Die klassischen Elemente Luft, Wasser, Erde und Feuer können wir als Gedächtnisstütze für vier völlig verschiedene Verteidigungs-Strategien verwenden. Ich weiß ja leider nicht im voraus, wie ich angegriffen werde (falls ich jemals angegriffen werde). Ich muss also improvisieren und etwas erfinden, was zur Art des Angriffs, zum Typ des Angreifers, zur Umgebung und zu mir passt.
Die Idee verdanke ich Khaleghl Quinn.

Diese vier Strategien sind, vereinfacht dargestellt:
1. Vermeiden/Weglaufen
2. Umlenken/Nachgeben
3. Standhalten/Blocken
4. Gegenangriff

Dazu denken wir an diejenigen Eigenschaften der Elemente, die ihnen eigen sind: nur Erde ist so fest, dass darauf Häuser gebaut werden können; nur Wasser ist lenkbar und geht dahin wo es kann; nur Luft ist unsichtbar und nicht greifbar; nur dem Feuer darf man nicht zu nahe kommen usw. Erde ist außerdem die Grundlage für die drei anderen Elemente: sie befinden sich auf der Erde.

Übersetzt ins Menschliche können wir sagen:

Erde steht für das Standhafte, das Blockieren, auflaufen lassen, Ignorieren, auch das Ertragen/Aushalten eines Zustandes und den passiven Widerstand, also die aggressive Energie des Angreifers an sich abprallen zu lassen. Bei jemandem "auf Granit beißen" ist zum Beispiel eine Erde-Verteidigung. Die Erde bietet den festen Grund für unsere Aktionen. Zweitens verleiht sie uns ein Gewicht, dass wir ebenfalls zur Verteidigung benutzen können.

Wasser steht für das Neutralisieren der aggressiven Energie durch Umlenken und Ableiten. Wenn ich mit einem Stock in einen See schlage, macht der ein paar Wellen und wird dann wieder spiegelglatt, d.h. die Energie des Schlages ist spurlos verschwunden. Wasser steht auch dafür, die schwache Stelle beim Angreifer zu finden. So wie das Wasser ein kleines Loch in einem meterdicken Deich oder einem Schwimmbad aus Beton ganz gewiss findet, so können wir in jedem Angriff eine Schwachstelle finden und nutzen.

Sich wie Luft verteidigen kann zum Beispiel heißen, sich der aggressiven Energie des Angreifers gar nicht erst auszusetzen. Durch Aufmerksamkeit erst gar nicht in Gefahr kommen, ihr aus dem Weg gehen, oder ihr durch Flucht, schnell wie der Wind, entkommen. Es ist ein großer Unterschied, ob man als der Klügere nachgibt oder als Opfer. Wenn Kinder nicht alleine, sondern in Gruppen zur Schule gehen, oder wenn sie niemanden in die Wohnung lassen, wenn sie allein zu Haus sind, machen sie Luft-Verteidigungen.

Feuer (= Energie, Licht, Wärme) steht für die eigene, nach außen gerichtete Energie. Wer mir trotz aller Warnungen zu nahe kommt, verbrennt sich die Finger. Entscheidend ist die Eigeninitiative. Typisch ist der Gegenangriff, der im Realfall zusätzlich eine sehr starke psychische Wirkung hat.


Die drei folgenden Anwendungsbeispiele führe ich in der Regel als Demonstration vor, natürlich können sie auch zu zweit geübt werden:

a) Ich lasse mich nacheinander von vier Freiwilligen angreifen: sie sollen (mit Anlauf!) versuchen, mich umzustoßen; die Anderen können raten, als welches Element ich mich verteidigt habe,
- durch Ausweichen (so spät wie möglich!) = Luft
- durch Umlenken/Ableiten der Kraft des Angreifers an mir vorbei = Wasser
- durch Hinstellen in einen stabilen seitlichen Stand = Erde
- durch einen Gegenangriff (ich laufe schreiend auf den Angreifer zu) = Feuer

b) Der Angriff ist diesmal ein Boxhieb in den Bauch.
1. Verteidigung: Bauchmuskeln anspannen, den Stoß aushalten = Erde
2. Verteidigung: mit dem eigenen Unterarm den Oberarm oder die Ellenbeuge des stoßenden Armes blockieren, bevor dieser gestreckt ist = Erde
3. rechtzeitig davonlaufen oder zur Seite ausweichen = Luft
4. den Angriff mit dem Arm zur Seite abwehren = Wasser
5. dem Angriff mit einem schnellen Gegenangriff zuvorkommen, z.B. mit einem "Cross" oder einem (hier nur angedeuteten) Fußtritt = Feuer

c) Angriff: Schlag mit einer Waffe auf den Kopf (z.B. mit Stock, Baseballschläger, Stein, Bierflasche, Ast o.ä., im Anfängertraining die offene Hand)
1. Verteidigung: davonlaufen oder zur Seite ausweichen
2. Verteidigung: den getreckten Arm hochreißen, so dass die Hand ungefähr über der gegenüberliegenden Schulter steht (der Arm MUSS beim Hochreißen die ganze Zeit gestreckt sein!), sodass die Waffe am Arm entlang nach unten gleitet
3.Verteidigung: mit überkreuzten Händen oder einer ähnlichen Blocktechnick (teisho uke, juji uke, age uke) abfangen (praktische Anwendung: wenn ich während des Angriffs in einem Stuhl sitze oder aus anderem Grund unbeweglich bin)
4. Verteidigung: während des Ausholens mit starker Kontertechnik (Kopfstoß, Fingerstich in die Augen o.ä.) in den Angriff hinein gehen (wenn der Angriff Schaden anrichten soll, muss der Angreifer mit seiner Waffe ausholen, das gibt uns Zeit für einen schnellen Gegenangriff).


Nun können die Kursteilnehmer die Elemente in Partnerübungen erkunden:

Die Verteidigung gegen Angriffe "OHNE ANFASSEN" (meist mit Worten, aber auch mit Gesten, Grimassen usw.) üben wir mit dem folgenden Rollenspiel.

Spielsituation: Der Partner, der in dieser Übung den Verteidiger spielt, setzt sich an einer Bushaltestelle auf den letzten freien Platz. Ein "aggressiver Jugendlicher" (der Partner, der bei dieser Übung den Angreifer spielt) kommt hinzu und reklamiert den Sitzplatz für sich.
Alternative: Der Verteidiger betritt ein Wartezimmer und setzt sich glücklich auf den letzten freien Stuhl. Doch da kommt jemand von dem Zeitschriften-Tisch zurück (der Angreifer) und verlangt (sofort unfreundlich) "seinen" Platz zurück.

-Verteidigung als "Erde": nichts tun, auf Durchzug schalten, alles wie ein Berg (= verdichtete Erde) an sich abprallen lassen.

- Verteidigung als "Feuer": zurückschreien, aber (wichtig!) mit korrekter Wortwahl ("Hören Sie auf, mich anzubrüllen!", "Schreien Sie hier nicht so rum!" o.ä.). Da viele Teilnehmer hier zunächst Beleidigungen als Text wählen, können Sie ihnen folgende Zusammenhänge erläutern:
Anfangs gibt es ein moralisches Gefälle, denn der Angreifer tut etwas Falsches/Verbotenes, ist also im Unrecht, während der Verteidiger im Recht ist. Sollte sich dieser jedoch dazu hinreißen, ebenfalls ausfällig zu werden, ist er keinen Deut besser als der Angreifer und beide befinden sich im Unrecht. Doch gerade aus dem moralischen Gefälle können wir viel Kraft zu unserer Verteidigung gewinnen und haben zudem die Zuschauer / Zeugen / Helfer auf unserer Seite.

- Verteidigung als "Luft": aufstehen und den Platz frei machen, aber nicht ängstlich, so dass wir uns als Angsthasen und Verlierer fühlen und der Schreihals als durchsetzungsfähiger Gewinner, sondern cool das Kluge und Richtige tun, z.B. mit mitleidigem Gesichtsausdruck etwas sagen in der Art: "Bitte sehr, wenn dir der Sitzplatz dermaßen wichtig ist - ich schlage mich nicht darum..."

- Verteidigung als "Wasser": auf den Inhalt, nicht den unverschämten Ton reagieren und im sachlichen Gespräch eine Lösung suchen, d.h. zwar auf die gegnerische Energie reagieren, sie aufnehmen, aber ohne dass sie Spuren hinterlässt, so wie wenn man mit einem Stock in einem See schlägt.

Gelegentlich werden Sie die Teilnehmer daran erinnern müssen, dass Berühren in diesem Spiel nicht erlaubt ist.


Verteidigungen gegen Angriffe "MIT ANFASSEN":

Erde
Demonstration: Bitten Sie einen (wenn möglich deutlich kleineren und leichteren) Teilnehmer, sich in leichter Grätsche hinzustellen und nehmen sie rechtwinklig (T-förmig) dazu einen identischen Stand ein, so dass Sie zur Schulter des Partners blicken. Fragen Sie, was wohl passiert, wenn Sie jetzt gegen seine Schulter drücken (identischer Stand, Sie sind größer und stärker!).

Übung 1: Erkundung des "Erdestandes"
Der Verteidiger stellt sich "stabil" hin, so wie es sich stark fühlt. Der Partner drückt und zieht zunächst in Richtung der Verbindungslinie der Füße, also die beiden starken Richtungen. Danach soll er, ohne dass der Verteidiger die Füße umsetzt, ihn mit einem Finger aus dem Gleichgewicht schubsen, also die schwachen Richtungen des eingenommenen Standes herausfinden.

Übung 2: die Partner sitzen sich im Kniesitz (wie Zen-Buddhisten) gegenüber, ergreifen die Hände des Partners und versuchen nun gegenseitig, sich umzuwerfen.

Übung 3: Der Angreifer steht hinter dem Partner und würgt ihn mit dem Unterarm (sog. "freie Würge" oder hadaka jime), ohne "Verriegeln" mit der zweiten Hand. Der Verteidiger hängt sich mit beiden Händen und seinem ganzen Gewicht an die würgende Hand, möglichst nah an den Fingerspitzen (nicht an den Unterarm!)

Bei "Erde" wird deutlich, dass nicht jedes Element in jeder Situation das richtige ist: wenn jemand auf meiner Nase herum trommelt oder mit einer Waffe angreift, macht es keinen Sinn, untätig wie ein Berg zu bleiben.


Luft
Übung 1: einem heranstürmenden Gegner im allerletzten Moment ausweichen. Der Begriff des richtigen Timings lässt sich hieran zeigen: weiche ich zu spät aus, rennt er mich um, weiche ich zu früh aus, sieht dies der Gegner und er kann seine Laufrichtung anpassen.

Übung 2 (Rollenspiel)
1. Teil: Der Verteidiger begegnet seinem "Lieblingsfeind", einem Widersacher, der ihn immer und immer wieder ärgert oder sonstwie drangsaliert. Nicht die richtige Situation für Luft!
2. Teil: Der Verteidiger befindet sich auf einem Bürgersteig, wo ihm mehrere Betrunkene entgegen kommen. Die Straßenseite wechseln oder umkehren ist jetzt das Klügste!
Ähnlich wie bei der Verteidigung gegen Verbalattacken gilt es, den Unterschied heraus zu arbeiten zwischen dem feigen Ausweichen, bei dem wir uns selbst als schwach und hilflos wahrnehmen und dem klugen Ausweichen, bei dem wir uns als intelligent und stark wahrnehmen.


Wasser
Übung 1:
Der Partner ergreift unseren Arm mit beiden Händen. Hier können Sie sehr schön zeigen, dass der Griff nur eine Schwachstelle hat, dass es also keinen Sinn macht, in Richtung seines Handrückens oder der acht Finger (unten) zu ziehen oder zu drücken, sondern dass die beiden Daumen (oben) die schwächste Stelle sind. Dennoch muss ich "Weg in die Freiheit" erst noch erspüren: Mit meiner freien Hand ergreife ich von oben (zwischen seinen Armen) meine eigene Hand und bewege nun den Ellbogen meines festgehaltenen Armes auf den Partner zu und nach oben, also kreisförmig in Richtung seines Kinns. Die Bewegung unterstütze ich, indem ich auf ihn zugehe, wenn er zurückweicht, muss ich schneller gehen.

Übung 2:
Der Angreifer macht "freie Würge" wie oben. Es gibt nur einen Weg aus dieser Klemme! Der Verteidiger dreht sich mit dem ganzen Körper (rückwärts, sodass der Hals am gegnerischen Unterarm abrollt) und macht gleichzeitig einen großen Schritt zur offenen Seite (dabei das Spielbein hinter dem Standbein mit Schwung vorbeisetzen).


Feuer
Übung 1:
Der Angreifer kommt aggressiv auf den Partner zu, er droht z.B. mit Würgen o.ä. Um zu verhindern, dass er nahe genug heran kommt, um seine böse Absicht auszuführen, hält der Verteidiger ihn auf Distanz, indem er abwechselnd mit links und rechts Fingerstiche zu seinen Augen ausführt. Wenn dies mit Zischlauten begleitet wird, entsteht das Bild von funkensprühendem Holz in einem Lagerfeuer.

Übung 2:
Ausgangssituation: Der Verteidiger wurde soeben vom Angreifer zu Boden geworfen, dieser schickt sich nun an, es mit Fußtritten zu malträtieren. Statt sich ängstlich zusammen zu rollen (die normale, also schlechte Reaktion), dreht der Verteidiger den Spieß um, indem er lange, harte Tritte Richtung Knie und Schienbein des Angreifers ausführt, wodurch auch sein Kopf immer möglichst weit von den Füßen des Angreifers entfernt ist.

Der Satz "Angriff ist die beste Verteidigung" hat wirklich sehr viel für sich. Die psychische Ausgangsposition im Realfall ist doch, dass der Angreifer sich für stärker und böser als sein vorgesehenes Opfer hält, sonst hätte er nämlich ein anderes ausgesucht. Wenn nun plötzlich dieses angeblich leichte Opfer aggressiv auf den Täter losgeht, platzt dessen Plan vom problemlosen Ablauf seines Verbrechens.



Noch eine Partnerübung für die Elemente:
Rollenspiel: Der Verteidiger wird von dem "Täter" angesprochen, der es zum Mitgehen überreden will, entweder mit Versprechungen oder einer Lügengeschichte ("Deine Mutter hatte einen Unfall..."). Mögliche Verteidigungen:

1. weglaufen (besser: zu anderen Menschen hinlaufen) = Luft

2. nicht reagieren = Erde

3. erklären: "Meine Eltern haben mir streng verboten..." = Wasser

4. schreien: "Ich gehe nicht mit Ihnen mit!!" o.ä Das Siezen ist für Kinder sehr wichtig, damit Ohrenzeugen gleich wissen, dass der Mann kein Verwandter ist.


Nachdem der Täter begriffen hat, dass er den Verteidiger nicht hereinlegen kann, versucht er nun, dessen beide Handgelenke zu ergreifen. Wieder gibt es mindestens vier unterschiedliche Verteidigungen:

1. Der Verteidiger bewegt seine Hände so unvorhersehbar wie Schmetterlinge im Wind. Dem Angreifer wird es nicht gelingen, sie zu fangen.(Luft)

Um die nächsten drei Verteidigungen üben zu können, lässt der Verteidiger seine Hände fangen:

2. Der Verteidiger nimmt einen Erdestand ein, d.h. stellt einen Fuß in Zugrichtung des Partners, hält den Oberkörper gerade und die Ellbogen möglichst dicht am Körper und "macht sich schwer". (Erde)

3. Die Schwachstelle des Griffs (Daumen) erspüren und aus dem Festhaltegriff "herausfließen": die Hände nach oben und außh;en und vorne bringen (nicht vom Täter weg, sondern auf ihn zu). Immer mit dem ganzen Körper arbeiten, nicht nur mit der Armkraft! (Wasser).

4. Ein Handgelenkhebel (Beschreibung für eine Seite, funktioniert auch auf der anderen Seite):
Die linke Hand mit der Handfläche nach oben drehen. Mit der rechten Hand unter der eigenen Hand und der des Angreifers durchgreifen, seinen Daumenballen ergreifen und seine Hand gegen den Uhrzeigersinn verdrehen. Sobald die eigene Hand frei ist, hilft diese beim Verdrehen mit. Wieder mit dem ganzen Körper arbeiten! (Feuer)
Variation: Der Verteidiger führt seine beiden Hände außen um die Arme des aKindes herum, legt seine Handflächen auf die Handgelenke des Gegners und drückt diese nach unten.
Vorsicht beim Üben von Gelenkhebeln! Im Training immer LANGSAM ausführen! Vorher Stopzeichen vereinbaren (z.B. Abklopfen)!


Nachdem das Festhalten auch nicht geklappt hat, wechselt der Täter nun zu einem Schlagangriff, hier als Beispiel eine Ohrfeige:
1. Eine typische Erde-Verteidigung wäre ein Block: den Ellbogen genau in Richtung auf die hereinkommende Kraft zeigen lassen (Unterarm senkrecht), damit nicht die (schwachen) Muskeln den Schlag stoppen, sondern die Härte des Oberarmknochens. Dazu gehört auch ein Erde-Stand = Füße in Richtung des Schlages stellen. Dieser Block ist für den Angreifer schmerzhaft, sodass hier genau genommen schon eine Mischung von Erde + Feuer ("Lava") vorliegt. Mehr zum Mischen weiter unten.
2. Wasser: den schlagenden Arm über den Kopf umleiten
3. Luft: nach hinten oder ganz nach vorn (bis zum Bauch des Angreifers) ausweichen
4. Feuer: Noch während der Andere zum Schlag ausholt entschlossene Gegenangriffe machen (immer mehrere!)


Die Elemente gegen psychisch-manipulative Angriffe am Beispiel Mobbing

Ein Kind, das von seinen Mitschülern gemobbt wird, kann u.a.
1. die Klasse oder Schule wechseln (Luft)
2. das Mobbing aushalten (Erde)
3. Hilfe suchen (Eltern, Lehrer, Freunde, Hilfsorganisationen wie "Weißer Ring", Hotlines der Krankenkassen), also aktiv werden und so zum "Gegenangriff" übergehen (Feuer)
4. das am wenigsten aggressive Kind (Mitläufer) auf die eigene Seite ziehen und von da aus die Position weiter ausbauen (Wasser).


Machen Sie deutlich, dass es nicht darum geht, jede Verteidigung zwanghaft einem Element zuzuordnen, sondern dass die Elemente uns dabei helfen können, im Notfall auf Ideen zu kommen. Dazu kann es auch hilfreich sein, sie zu mischen:
Barbara Berckhan beschreibt in ihrem ausgezeichneten Buch Die etwas intelligentere Art, sich gegen dumme Sprüche zu wehren die "Nebeltaktik" (Nebel= Luft + Wasser): einem uns mit Vorwürfen überschüttenden Angreifer zum Schein zustimmen. Ich erlebte einmal folgende Geschichte: Ich stand am Glascontainer in unserer Straße und warf Flaschen ein, dabei die Tatsache vergessend, dass Sonntag war. Prompt erschien ein Anwohner und blökte mich sofort an "Können Sie nicht lesen? Sie dürfen am Sonntag kein Glas einwerfen! Das steht doch da auf dem Schild!!" Er hätte das ja auch freundlich sagen können, aber nein... Meine Reaktion: "Ja tatsächlich! Sie haben vollkommen recht. Heute ist ja Sonntag - habe ich völlig vergessen. Und hier auf dem Schild steht es ja auch: 'Einwurf nur werktags'." Während dieses Dialoges wurde ich meine restlichen Flaschen auch noch los, während der Nachbar rasch abkühlte, da er nicht den für einen Streit notwendigen Widerstand bekam. Sicherlich hatte er das Gefühl, mit seiner verbalen "Lanze" im Nebel zu stochern.

Häufig kann zur Befreiung aus Haltegriffen "Schlamm" eingesetzt werden:

Übung 1:
Der Partner ergreift mit beiden Händen eines meiner Handgelenke. Ich bringe meinen gestreckten (!) Arm lotrecht über seine Hände und "mache mich schwer", d.h. ich stelle mein ganzes Gewicht auf seine Hände (Erde) und rutsche so aus seinem Griff heraus (Wasser).

Übung 2:
Der Partner ergreift unsere Arme hinter unserem Rücken. Derselbe Ablauf wie in Übung 1. Hier ist wichtig nicht den Partner/Angreifer zu sich hin ziehen zu wollen, sondern selbst einen Schritt zurück zu machen, bis die Arme an der Hosennaht liegen. Dann mit geraden Armen und geradem Rücken auf ein Knie herunter gehen, die Arme dabei nach vorne bewegen.

"Hitze" (Luft + Feuer):
Der Verteidiger steht mit dem Rücken an einer Wand, der Angreifer will ihm ins Gesicht schlagen.

"Dampf" (Wasser + Feuer)
Einen geraden Schlag zu meinem Gesicht kann ich ja nicht nur freundlich an mir vorbei lenken, sodass der Angreifer kaum etwas spürt. Ich kann ihm auch so auf den Knochen schlagen, dass ihm die Lust auf weitere Angriffe vergeht (so ist z.B. Karate für Fortgeschrittene: die Verteidigung ist bereits der Gegenangriff).

Noch zwei Empfehlungen:
1. Viele Menschen haben ein "Lieblingselement"; wir sollten jedoch alle vier gut beherrschen, damit wir a) schwerer auszurechnen sind und b) jedem Angreifer passend herausgeben können.
2. Nicht zu lange bei einem Element verharren, das nicht funktioniert, sondern locker zwischen den Elementen wechseln und zu einem anderen springen, falls dies besser funktioniert!


Copyright © Arno Matthias


Vier Elemente      zuletzt geändert am 11.10.2009